Autor: xnor

  • Esoteric Ebb

    Ein lustiger Fiebertraum.

    Endlich mal wieder ein Spiel, das mich zum Lachen gebracht hat.

    Ein Spiel mit einer riesigen Menge an Text (über 700.000 Worte), von dem ich wahrscheinlich nur die Hälfte aufmerksam gelesen habe.

    Viele Situationen und Charaktere erinnerten mich an Terry Pratchett – wie passend, dass ich eigentlich immer irgendein Buch von ihm (parallel zu eher ernsthafteren Büchern) lese. Ich glaube, das ist vom Autor absolut so beabsichtigt und die Schnittmenge der Leute, die Pratchett und dieses Spiel mögen, ist sicherlich groß!

    Die Leute, die hier ein „Disco Elysium“ erwartet haben, tja. Die werden wohl enttäuscht. Klar gibt es Ähnlichkeiten in der Erzählweise und auch in der Spielweise. Vieles passiert, weil die entsprechenden Charakterwerte dafür sorgen. Und natürlich gibt es die inneren Monologe bzw. Dialoge mit sich selbst. Aber die Stimmung von Esoteric Ebb ist.. anders. Viel positiver, absolut nicht depressiv.

    Disco Elysium habe ich zum Beispiel nicht zu Ende gespielt. Es hat mir Spaß gemacht, aber irgendwann war mir die Stimmung zu negativ; das hat mich zum damaligen Zeitpunkt richtig runtergezogen. Bei Esoteric Ebb ging es mir niemals so.

    Nachdem ich ein paar Mal dem Tod von der Schippe gesprungen bin (ein oder zwei mal bin ich dann doch mal gestorben), habe ich verstanden, dass es hier wirklich darum geht, eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, von der man in einem Spieldurchlauf niemals alle Aspekte erleben wird. Aber es gibt dabei immer die Chance, auch scheinbar ausweglose Situationen zu überleben. Teils durch wirklich absurde Zufälle. Das sehe ich als den größten Unterschied zu Disco Elysium. DE ist viel unbarmherziger. Die Welt ist brutaler, grauer. Der Hauptcharakter selbst ist ja schon ein ganz anderer Typ. Eine gescheiterte Existenz.

    Ganz anders Esoteric Ebb: die Grundstimmung ist zwar auch nicht total positiv, aber die Welt fühlt sich nicht so abweisend an. Die NPCs sind eher optimistischer/lebensfroher gestimmt.

    Ich kann es nicht komplett in Worte fassen, aber nach dem Spielen hatte ich immer gute Laune.

    Kommen wir zurück zu den anfangs erwähnten Texten. Es gibt viel Text. Sehr viel Text. Man wird mit Hintergrundinfos überschüttet. Informationen, die nicht relevant für das Fortkommen im Spiel sind. Ich fand es gar nicht so schlimm, denn ich bin ja nicht gezwungen, alles komplett zu lesen. Daher habe ich einiges wirklich nur überflogen. Sprachlich ist es teilweise anspruchsvoll, aber der Story an sich konnte ich immer folgen. Wer sich im Internet bewegt und regelmäßig Sachen auf englisch liest, wird hier keine größeren Probleme haben. Ob und wie eine Übersetzung jemals kommen wird, steht in den Sternen. Ob die Verkaufszahlen ausreichen, um das zu finanzieren.. wer weiß.

    Ob ich das Spiel noch mal spielen werde, kann ich nicht sagen. Ich habe schon mal einen zweiten Anlauf gestartet, aber da ich dazu neige, doch immer ähnliche Entscheidungen zu treffen, ist der Wiederspielwert für mich eher nicht so hoch, denn dafür ist die Story zu kurz.

    Insgesamt finde ich das Spiel sehr erfrischend. Es hat mir Spaß gemacht und für 22€ konnte ich ungefähr 20 Stunden spielen. Der Grafikstil und der Humor haben mich auf jeden Fall überzeugt. Technisch gab es nichts auszusetzen.

    Ich würde es jeder Person empfehlen, die gerne absurde Fantasy mag und die keine Scheu vor langen (englischen) Texten hat.